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Pressespiegel

Stilles Gedenken am Mahnmal

Reichspogromnacht: 50 Bürger nehmen an Feierstunde vor jüdischer Gedenktafel teil

 © Calenberger ZeitungRund 50 Vertreter des öffentlichen Lebens, der verschiedenen Konfessionen, aus Politik und örtlichen Vereinen sowie Gehrdener Bürger haben sich anlässlich des Jahrestages „Reichskristallnacht“ vom 9. auf den 10. November 1938 an der Gedenktafel für die jüdische Gemeinde und Synagoge am Steinweg versammelt. Der Chor der Margarethen-Kirchengemeinde unter der Leitung von Kantor Christian Windhorst umrahmte die Feierstunde in der Fußgängerzone musikalisch.

Historisches Datum

„Das Datum markiert den entscheidenden Schritt zum Holocaust, der systematischen Vernichtung jüdischen Lebens“, betonte Bürgermeister Cord Mittendorf in seiner Ansprache. In der Reichspogromnacht seien Synagogen in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte zerstört, wohlhabende Juden festgenommen und zur Auswanderung gezwungen worden; ihr Vermögen sei konfisziert worden. Auch jüdische Schüler seien aus staatlichen Schulen entlassen worden, erinnerte Mittendorf mit mahnenden Worten.

„Damals wie heute hatten Menschlichkeit und Solidarität einen schweren Stand. Ein Blick zurück macht deutlich, wie verletzlich eine freiheitliche und demokratische Ordnung ist“, fügte der Bürgermeister hinzu. Man müsse erkennen, dass Nationalsozialismus, Rassismus und Antisemitismus immer mehr auf dem Vormarsch seien. Nicht nur in Deutschland, sondern überall in Europa und auch in den USA, warnte Mittendorf.

Er erinnerte daran, dass es in Gehrden seit dem 18. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde gegeben habe, die beständig zugenommen habe. „Mitte des 19. Jahrhunderts lebten 110 Juden in Gehrden. Von der Gemeinde zeugt heute der jüdische Friedhof am Gehrdener Berg.“ Der Friedhof wurde von 1752 bis 1935 belegt. Auf dem geschützten Kulturdenkmal sind 73 Grabsteine zu finden. Die Gemeinde sei bis Ende des 19. Jahrhunderts schließlich stark geschrumpft – meist aus wirtschaftlichen Gründen seien die jüdischen Familien nach Hannover gezogen, erläuterte der Bürgermeister.

Die 1850 am Steinweg gebaute Synagoge mit Schul- und Lehrerhaus wurde bis 1920 zum Gottesdienst genutzt, danach als Geschäftshaus von jüdischen Kaufleuten geführt. Das frühere Gotteshaus wurde in der Reichspogromnacht stark beschädigt, aber durch die dichte Nachbarbebauung mit Margarethen-Kirche und Rathaus nicht in Brand gesetzt.

Auch Stolpersteine erinnern

Dem Terror der Nationalsozialisten fielen bis 1945 insgesamt 17 Gehrdener Bürger jüdischen Glaubens zum Opfer. „Stolpersteine in der Dammstraße und die Gedenktafel an der jüdischen Synagoge erinnern uns bei jedem Gang durch Gehrden und sollten uns immer wieder auffordern, wachsam zu sein und jeder Form des Rassismus entschieden entgegenzutreten“, sagte Mittendorf. Dieses dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte dürfe sich nie wiederholen.

 © Calenberger Zeitung

Calenberger Zeitung vom 12.11.2018

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